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Website-Relaunch-Agentur finden: Auswahl, Briefing, Angebot

Die richtige Website-Relaunch-Agentur erkennen: Anbietertypen im Vergleich, zehn Prüffragen zur Migration, was ins Briefing und ins Angebot gehört – und die Warnsignale.

Eine Website-Relaunch-Agentur zu suchen ist etwas anderes, als eine Agentur für eine neue Website zu suchen. Beim Neubau bewerten Sie vor allem Gestaltung und Umsetzung. Beim Relaunch kommt eine Disziplin dazu, die im Pitch fast nie vorkommt, aber über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet: die Migration des Bestands, also der geordnete Umzug von Inhalten, Adressen und Datenbeständen ohne Verlust an Sichtbarkeit.

Dieser Ratgeber zeigt, welche Anbietertypen es gibt, mit welchen zehn Fragen Sie Relaunch-Erfahrung tatsächlich prüfen, was ins Briefing und ins Angebot gehört und an welchen Antworten Sie eine Absage festmachen sollten. Die allgemeinen Auswahlkriterien setzen wir dabei voraus – sie stehen im Ratgeber Softwareagentur auswählen: Kriterien.

Welche Anbietertypen für einen Website-Relaunch infrage kommen

TypStärkeSchwächePasst bei
Webdesign-AgenturGestaltung, Markenauftritt, Geschwindigkeittechnische Migration oft zugekauftüberschaubare Auftritte, Standard-CMS
Full-Service-Digitalagenturalles aus einer Hand, inkl. Inhalte und SEOhöherer Preis, längere Abstimmungswegemittlere bis große Unternehmensauftritte
EntwicklungsagenturSchnittstellen, individuelle Funktionen, PerformanceGestaltung und Text meist nicht enthaltenPortale, Anwendungen, viele Integrationen
SEO-AgenturMigration, Struktur, Sichtbarkeitbaut die Website nicht selbstals Begleitung neben dem umsetzenden Team
Freelancer-TeamPreis, direkte AnspracheAusfallrisiko, begrenzte Kapazitätkleine Projekte, klar umrissener Umfang

Die häufigste tragfähige Kombination bei mittleren Projekten ist eine umsetzende Agentur plus eine unabhängige Begleitung für die SEO-Migration. Das kostet drei bis acht Personentage extra und schafft eine zweite Instanz, die genau den Teil prüft, in dem die teuersten Fehler passieren. Ob Full-Service oder Spezialisierung besser passt, behandelt der Ratgeber Full-Service oder Spezialagentur?.

Woran Sie eine gute Website-Relaunch-Agentur erkennen

Stellen Sie diese zehn Fragen im Erstgespräch. Interessant ist weniger die Antwort selbst als die Selbstverständlichkeit, mit der sie kommt – wer Relaunches routiniert macht, hat auf alle zehn eine sofortige Antwort.

  1. „Wie erstellen Sie das Redirect-Konzept, und wer entscheidet über die Zuordnung?" Erwartete Antwort: URL-Inventar aus mehreren Quellen, Zuordnung gemeinsam mit dem Fachbereich, keine Sammel-Weiterleitung auf die Startseite. Wer antwortet „das macht das System automatisch", hat den Kernpunkt nicht verstanden.
  2. „Was messen Sie vorher, um hinterher Erfolg oder Schaden belegen zu können?" Erwartet: Zugriffe je URL, Rankings, Verweise von außen, Conversions – dokumentiert mit Datum.
  3. „Wie verhindern Sie, dass die Testumgebung indexiert wird?" Erwartet: Zugangsschutz, nicht allein eine robots-Datei.
  4. „Was passiert, wenn die Sichtbarkeit nach vier Wochen deutlich unter dem Ausgangswert liegt?" Erwartet: ein benanntes Vorgehen und ein Nachlaufbudget – keine Schuldzuweisung an „den Algorithmus".
  5. „Wer schreibt die Texte, und wie viele Seiten sind im Angebot enthalten?" Der häufigste Grund für Nachträge.
  6. „Wie stellen Sie Barrierefreiheit sicher, und ist eine Prüfung enthalten?" Erwartet: konkrete Prüfschritte, nicht die Behauptung „unsere Templates sind barrierefrei".
  7. „Welche Daten ziehen um, und wie testen Sie die Migration?" Relevant, sobald Kundendaten, Bestellungen oder Formulareingänge betroffen sind.
  8. „Wem gehören Quellcode, Designdateien und Zugänge nach dem Projekt?" Eine Frage, die vor Vertragsschluss beantwortet sein muss.
  9. „Wie sieht die Betreuung in den vier Wochen nach dem Go-live aus?" Erwartet: benannte Ansprechperson, Reaktionszeiten, eingeplantes Budget.
  10. „Dürfen wir mit einem Relaunch-Kunden aus den letzten zwölf Monaten sprechen?" Die Antwort auf diese Frage sagt mehr als das gesamte Portfolio.

Referenzen richtig prüfen

Ein Portfolio zeigt Endergebnisse, nicht Migrationen. Fragen Sie deshalb gezielt nach Relaunch-Projekten und lassen Sie sich zwei Dinge zeigen: die alte und die neue Adresse. Damit können Sie selbst prüfen, ob alte URLs sauber weitergeleitet werden – ein Test, der zehn Minuten dauert und der aussagekräftigste ist, den Sie ohne Zugang zu fremden Daten durchführen können.

Im Referenzgespräch mit dem Kunden fragen Sie nicht „Wart ihr zufrieden?", sondern: Wie hat sich der organische Traffic in den drei Monaten nach dem Go-live entwickelt? Wie viele Nachträge gab es, und wofür? Wie lange hat es vom geplanten bis zum tatsächlichen Go-live gedauert? Und: Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Was ins Briefing gehört

Ein Relaunch-Briefing unterscheidet sich vom Neubau-Briefing durch den Bestandsteil. Diese Angaben machen Angebote überhaupt erst vergleichbar:

  • Ist-Zustand: aktuelles CMS und Version, Zahl der Seiten, Sprachen, bestehende Schnittstellen, Hosting.
  • Zahlen: Zugriffe pro Monat, Anteil mobil, die zehn wichtigsten Einstiegsseiten, aktuelle Anfragen pro Monat.
  • Anlass und Ziel: Warum jetzt? Was soll in einem Jahr messbar anders sein?
  • Umfang: Bleibt die Domain? Ändert sich die Struktur? Ziehen Daten mit um?
  • Arbeitsteilung: Wer schreibt Texte, wer liefert Bilder, wer pflegt später?
  • Rahmen: Budgetkorridor, Wunschtermin, Hochsaison-Zeiträume, in denen kein Go-live stattfinden darf.
  • Pflichten: Barrierefreiheit, Datenschutzanforderungen, branchenspezifische Vorgaben.

Nennen Sie einen Budgetkorridor. Die Sorge, dadurch teurer einzukaufen, ist meist unbegründet – ohne Rahmen kalkulieren Anbieter auf gut Glück, und Sie vergleichen anschließend Angebote für vier verschiedene Projekte. Die vollständige Briefing-Struktur steht im Ratgeber Das perfekte Briefing für Ihre Digitalagentur.

Was im Angebot stehen muss

Ein belastbares Relaunch-Angebot weist mindestens diese Positionen einzeln aus – mit Aufwand in Personentagen, nicht als Pauschale:

  • Analyse und URL-Inventar
  • Konzept, Struktur, Wireframes
  • Design (mit Angabe: Zahl der Seitentypen, Theme oder eigenes System)
  • Entwicklung und CMS-Einrichtung
  • je Schnittstelle eine eigene Position
  • Content-Migration (mit Angabe: Zahl der Seiten, Grad der Überarbeitung)
  • Redirect-Konzept und SEO-Migration als eigene Position
  • Test, Barrierefreiheitsprüfung, Abnahmebegleitung
  • Go-live und Nachlaufbetreuung (mit Zeitraum)
  • Schulung der Redaktion
  • laufende Kosten nach dem Projekt, getrennt ausgewiesen

Fehlt der siebte Punkt, fehlt die Migration – und damit genau die Leistung, die den Relaunch vom Neubau unterscheidet. Ein Angebot ohne eigene Redirect-Position ist kein günstigeres Angebot, sondern ein unvollständiges. Wie Sie Angebote systematisch gegenüberstellen, steht unter Angebote vergleichen.

Vertragspunkte, die beim Relaunch besonders zählen

Ein Relaunch ist typischerweise ein Werkvertrag: Die Agentur schuldet ein Ergebnis, es gibt eine Abnahme, und mit ihr beginnen Gewährleistungsfristen und wird die Vergütung fällig. Achten Sie zusätzlich auf:

  • Abnahmekriterien, die die Migration einschließen – etwa: „mindestens 98 Prozent der URLs aus der Bestandsliste liefern einen Status 301 auf eine erreichbare Zielseite".
  • Nutzungsrechte an Quellcode, Templates und Designdateien; ohne ausdrückliche Regelung sind Sie beim nächsten Wechsel gebunden (siehe Quellcode & Nutzungsrechte).
  • Herausgabe von Zugängen, Dokumentation und Exportdateien bei Projektende.
  • Weiterbetrieb der Weiterleitungsebene für mindestens zwölf Monate, auch wenn Hosting oder Dienstleister wechseln.
  • Auftragsverarbeitungsvertrag, sobald die Agentur Zugriff auf personenbezogene Daten hat – auch nur über einen Wartungszugang.
  • Zahlungsplan entlang von Meilensteinen, letzte Rate nach Abnahme.

Warnsignale

  • Kein Wort über Weiterleitungen im gesamten Angebot.
  • Garantierte Rankings. Niemand kann Positionen bei Suchmaschinen zusichern; eine solche Zusage ist ein Vertriebsversprechen ohne Grundlage.
  • Pauschalpreis ohne Aufwandsangabe. Ohne Personentage lässt sich nicht erkennen, was einkalkuliert wurde.
  • Design zuerst. Wer im Erstgespräch Entwürfe zeigt, bevor Struktur und Ziele geklärt sind, verkauft Gestaltung, nicht Projektergebnis.
  • Kein Zugriff auf die eigenen Zugänge. Anbieter, die Domain oder Hosting auf den eigenen Namen registrieren wollen, bauen eine Abhängigkeit auf.
  • Das Pitch-Team ist nicht das Projektteam. Fragen Sie namentlich, wer tatsächlich arbeitet.

Wo Sie Kandidaten finden

Für einen Relaunch brauchen Sie mindestens fünf bis acht Kandidaten, um am Ende drei vergleichbare Angebote zu haben – erfahrungsgemäß sagt ein Teil der angefragten Anbieter selbst ab. Quellen sind Verzeichnisse wie dieses, Empfehlungen aus dem Netzwerk, die Agenturen hinter Websites, die Ihnen selbst aufgefallen sind, und die Suche. Jede Quelle hat eine Verzerrung; kombinieren Sie mindestens zwei. Die Wege im Einzelnen vergleicht der Ratgeber Wo finde ich eine Softwareagentur?, das Eindampfen auf drei Finalisten beschreibt Von der Longlist zur Shortlist.

Zu unserer eigenen Rolle: Wir betreiben ein Verzeichnis und verdienen an Premium-Paketen und der Vermittlung von Anfragen. Das beeinflusst weder Bewertungen noch die Aussagen in diesen Ratgebern; wie wir sortieren und was Premium verändert, steht offen in unserer Methodik. Anbieter, die Suchergebnisse ausspielen, müssen nach § 5b Abs. 2 UWG die Hauptparameter ihrer Rangfolge offenlegen – prüfen Sie das bei jedem Verzeichnis, auch bei unserem.

Kurz gefasst

Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Website-Relaunch-Agentur zeigt sich nicht am Portfolio, sondern daran, wie selbstverständlich sie über Migration spricht. Prüfen Sie Relaunch-Referenzen, indem Sie alte URLs der Referenzprojekte selbst aufrufen. Verlangen Sie das Redirect-Konzept als eigene Angebotsposition, verankern Sie Migrationskriterien in der Abnahme und sichern Sie sich Nutzungsrechte und Zugänge vertraglich. Und holen Sie mindestens drei vergleichbare Angebote ein – auf Basis eines Briefings, das den Ist-Zustand mit Zahlen beschreibt.

Häufige Fragen

Sollte man die Agentur wechseln, die die alte Website gebaut hat?

Nicht automatisch. Der Bestandsanbieter kennt Datenmodell, Schnittstellen und Altlasten und ist dadurch oft schneller und günstiger. Wechseln sollten Sie, wenn die technische Basis genau von dieser Agentur stammt und der Grund für den Relaunch ist, wenn Reaktionszeiten oder Erreichbarkeit chronisch schlecht waren oder wenn Sie keinen Zugriff auf Ihre eigenen Zugänge haben. Holen Sie in jedem Fall Vergleichsangebote ein – auch als Grundlage für das Gespräch mit dem Bestandsanbieter.

Wie viele Agenturen sollte man anfragen?

Fünf bis acht anfragen, drei vergleichbare Angebote als Ziel. Weniger führt fast immer dazu, dass Sie zwischen zwei Optionen wählen statt zu vergleichen. Mehr als acht können Sie im Erstgespräch kaum seriös bewerten.

Ist eine Agentur aus der eigenen Stadt besser?

Für den Relaunch selbst nicht. Wichtiger sind Erreichbarkeit, feste Ansprechpersonen und geregelte Abstimmungstermine. Räumliche Nähe hilft bei Workshops zu Beginn und wenn viele Personen aus Ihrem Haus beteiligt sind. Wenn Ihnen Nähe wichtig ist, finden Sie Anbieter über die Standortübersicht.

Was kostet die Beauftragung einer Relaunch-Agentur?

Der Angebotsprozess selbst kostet Sie nur Zeit – Erstgespräche und Angebote sind branchenüblich kostenlos. Bezahlt gehören Leistungen mit eigenständigem Wert: ein Konzept-Workshop, eine Analyse des Bestands oder ein ausgearbeitetes Migrationskonzept. Die Preisspannen für das Projekt selbst stehen unter Website-Relaunch Kosten.

Kann eine SEO-Agentur den Relaunch allein übernehmen?

In der Regel nicht, weil sie meist nicht selbst entwickelt. Die sinnvolle Rolle ist eine andere: als unabhängige Begleitung neben dem umsetzenden Team, die das Redirect-Konzept prüft, den Go-live abnimmt und vier Wochen lang misst. Diese Trennung schafft eine zweite Kontrollinstanz genau dort, wo die teuersten Fehler entstehen.

Woran erkennt man, dass eine Agentur Relaunch-Erfahrung nur behauptet?

An drei Mustern: Das Portfolio zeigt ausschließlich Endergebnisse ohne Vorher-Nachher-Bezug, im Angebot fehlt eine Migrationsposition, und im Gespräch wird Sichtbarkeitsverlust als unvermeidbar dargestellt. Erfahrene Anbieter benennen das Risiko offen, beschreiben aber ein konkretes Vorgehen dagegen.

Sollte man einen Pitch mit Designentwürfen verlangen?

Nur bezahlt – und nur, wenn er nach der Konzeptphase stattfindet. Unbezahlte Entwürfe auf Basis eines dünnen Briefings erzeugen hübsche Bilder ohne Substanz und schrecken gerade die Anbieter ab, die ausgelastet und damit häufig die besseren sind. Sinnvoller ist eine bezahlte, kurze Konzeptphase mit zwei Finalisten. Was Sie verlangen dürfen und was bezahlt gehört, behandelt Verhandeln mit der Agentur.

Weiterführende Ratgeber

Kandidaten sammeln: Agenturen für Webentwicklung, UI/UX Design, alle Standorte und der Leitfaden Softwareagentur finden.

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