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Website-Relaunch Checkliste: von der Analyse bis vier Wochen danach

Die Website-Relaunch-Checkliste in fünf Phasen: Ausgangslage sichern, Redirect-Konzept, Go-live-Tag und die kritischen vier Wochen danach – plus Soforthilfe bei Traffic-Einbruch.

Die meisten Relaunch-Schäden entstehen nicht durch schwierige Probleme, sondern durch vergessene Kleinigkeiten: eine Sperre für Suchmaschinen, die niemand entfernt hat, eine Weiterleitungsdatei, die nur die wichtigsten dreißig URLs enthält, ein Tracking-Code, der beim Umzug verloren ging. Diese Website-Relaunch-Checkliste ist deshalb nach dem Zeitpunkt sortiert, an dem geprüft wird – nicht nach Themen.

Arbeiten Sie sie mit der Agentur gemeinsam durch und legen Sie zu jedem Punkt eine verantwortliche Person fest. Der häufigste Grund, warum Checklisten nicht wirken, ist nicht ihre Unvollständigkeit, sondern dass niemand namentlich zuständig ist. Den fachlichen Hintergrund zu den einzelnen Punkten liefert der Leitfaden Website-Relaunch.

Website-Relaunch Checkliste, Phase 1: Ausgangslage sichern

Diese Punkte sind unwiederbringlich, wenn sie fehlen: Nach dem Go-live lässt sich nicht mehr rekonstruieren, wie gut die alte Seite lief.

  • Vollständige URL-Liste der Bestandsseite exportieren (Crawl plus Sitemap plus Serverlogs – jede Quelle allein ist unvollständig).
  • Für jede URL Zugriffe, Einstiege und Conversions der letzten zwölf Monate erfassen.
  • Ranking-Positionen der wichtigsten Suchbegriffe dokumentieren (Screenshot oder Export mit Datum).
  • Verweise anderer Websites exportieren – besonders die Seiten, auf die von außen verlinkt wird.
  • Kennzahlen für den Erfolgsvergleich festlegen: zwei bis drei, messbar, mit Ausgangswert.
  • Vollständiges Backup der alten Website inklusive Datenbank und Medien, an einem Ort, auf den Sie auch ohne die Agentur zugreifen können.
  • Zugänge inventarisieren: Domain-Registrar, DNS, Hosting, CMS, Analytics, Search Console, Werbekonten, Zertifikate. Prüfen, ob Sie selbst Eigentümer sind – nicht die alte Agentur.
  • Rechtliche Bestandsaufnahme: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Einwilligung, bestehende Auftragsverarbeitungsverträge.
  • Verantwortliche Person mit Vertretung benennen, Freigabeprozess festlegen.

Phase 2 – Konzept: Struktur und Inhalte entscheiden

  • Ziele der neuen Website schriftlich festhalten – geschäftlich, nicht gestalterisch.
  • Neue Seitenstruktur festlegen und gegen die alte spiegeln.
  • Content-Inventar erstellen: jede Bestandsseite als „übernehmen", „überarbeiten", „zusammenführen" oder „entfallen" markieren.
  • Für jede entfallende Seite die inhaltlich nächstliegende neue Seite bestimmen – das ist der Rohstoff des Redirect-Konzepts.
  • Seiten mit hohem Traffic oder vielen externen Verweisen besonders markieren: Diese dürfen weder verschwinden noch inhaltlich schrumpfen.
  • Prüfen, welche URLs unverändert bleiben können. Jede beibehaltene URL ist eine Fehlerquelle weniger.
  • Anforderungen an Barrierefreiheit festlegen und im Vertrag verankern, nicht nur in der Präsentation.
  • Rechtstexte, Consent-Lösung und Datenflüsse mit dem Datenschutzverantwortlichen klären; falls die Agentur Zugriff auf personenbezogene Daten erhält, Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen.

Phase 3 – Umsetzung: Testumgebung und Redirect-Konzept

  • Testumgebung für Suchmaschinen sperren – über Zugangsschutz, nicht allein über eine robots-Datei.
  • Prüfen, dass die Testumgebung nirgends öffentlich verlinkt ist.
  • Redirect-Mapping vollständig anlegen: jede alte URL, eine Zielseite, thematisch passend. Kein Sammel-Redirect auf die Startseite.
  • Nur permanente Weiterleitungen verwenden. Google wertet 301 und 308 als Signal, dass das Ziel die kanonische Adresse werden soll; 302 und 307 übertragen dieses Signal nicht.
  • Weiterleitungsketten auflösen: direkt auf das Endziel leiten.
  • Seitentitel und Meta-Beschreibungen für alle wichtigen Seiten setzen – nicht generisch generieren lassen.
  • Kanonische Adressen prüfen: Zeigen sie auf die neue Domain, nicht auf die Testumgebung oder die alte Seite?
  • Strukturierte Daten übernehmen und validieren.
  • Sprachversionen korrekt auszeichnen, falls mehrsprachig.
  • Ladezeiten auf der Testumgebung messen und optimieren, bevor Inhalte vollständig eingepflegt sind.
  • Formulare gegen echte Empfängeradressen testen, inklusive Bestätigungsmails und Speicherung.
  • Barrierefreiheit prüfen: Tastaturbedienung, Kontraste, Alternativtexte, Formularbeschriftungen, Fokusreihenfolge.
  • Darstellung auf echten Geräten prüfen, nicht nur im Browser-Simulator.
  • 404-Seite gestalten und mit sinnvollen Weiterführungen versehen.

Phase 4 – Der Go-live-Tag

Legen Sie den Termin auf einen Dienstag- oder Mittwochvormittag außerhalb Ihrer Hochsaison, mit erreichbarem Team für 48 Stunden. Diese Punkte werden in dieser Reihenfolge abgearbeitet:

  • Frisches Backup des alten Standes ziehen und Rückfallweg schriftlich festhalten.
  • Sperre für Suchmaschinen entfernen – robots-Datei und Seiten-Meta-Angaben. Dies ist der Punkt, der am häufigsten vergessen wird und den größten Schaden anrichtet.
  • Stichprobe von mindestens 30 alten URLs im Browser aufrufen und prüfen, ob sie mit Status 301 auf der richtigen neuen Seite landen.
  • Verschlüsselung prüfen: gültiges Zertifikat, unverschlüsselte Aufrufe werden weitergeleitet, keine gemischten Inhalte.
  • Weiterleitung zwischen Adressvarianten mit und ohne „www" in genau einer Richtung – kein Ping-Pong zwischen beiden.
  • Neue Sitemap erzeugen und in der Search Console einreichen; alte Sitemap erst danach entfernen.
  • Wichtigste Seiten manuell zur Indexierung anmelden.
  • Analytics und Conversion-Tracking auf Datenfluss prüfen – nicht nur auf Vorhandensein des Codes.
  • Consent-Banner testen: Werden Skripte tatsächlich erst nach Zustimmung geladen?
  • Impressum und Datenschutzerklärung auf Aktualität prüfen, inklusive genannter Dienstleister.
  • E-Mail-Zustellung nach dem DNS-Wechsel prüfen, falls Mailadressen auf derselben Domain liegen.

Phase 5 – Die ersten vier Wochen nach dem Relaunch

  • Täglich die Search Console auf Crawling- und Indexierungsfehler prüfen.
  • Neue 404-Fehler täglich auswerten und sofort mit einer Weiterleitung schließen – dies ist der wichtigste Punkt der ganzen Liste.
  • Organische Einstiege täglich gegen den Vorjahreszeitraum vergleichen, nicht gegen den Vormonat.
  • Serverlogs auf Fehlerhäufungen prüfen.
  • Nach zwei Wochen die Ranking-Entwicklung der markierten Schlüsselseiten kontrollieren.
  • Rückmeldungen aus Vertrieb und Support einsammeln – dort landen Probleme zuerst.
  • Weiterleitungen dauerhaft belassen; Google empfiehlt, sie so lange wie möglich zu halten, in der Regel mindestens ein Jahr.
  • Externe Partner um Aktualisierung wichtiger Verweise bitten, sofern sich Adressen geändert haben.
  • Nach vier Wochen einen Soll-Ist-Abgleich gegen die in Phase 1 festgelegten Kennzahlen erstellen.
  • Restpunkteliste mit der Agentur abarbeiten und die Abnahme förmlich erklären.

Sonderfall: Relaunch mit Domainwechsel

Wechselt zusätzlich die Adresse, kommt eine eigene Prüfliste hinzu – und das Risiko steigt spürbar, weil zwei Umzüge gleichzeitig stattfinden. Wenn es sich vermeiden lässt, trennen Sie beides zeitlich: erst die Domain umziehen und stabilisieren, dann relaunchen, oder umgekehrt.

  • Neue Domain vorab registrieren, Zertifikat einrichten und erreichbar testen.
  • Beide Domains samt aller Varianten (mit und ohne „www", verschlüsselt und unverschlüsselt) in der Search Console anlegen und bestätigen.
  • Adressänderung in der Search Console für die alte Domain einreichen. Google sieht dieses Werkzeug ausdrücklich für Domainwechsel vor – nicht für die reine Umstellung auf Verschlüsselung.
  • Weiterleitungen von jeder alten auf die entsprechende neue Adresse, nicht auf die neue Startseite.
  • Alte Domain mindestens ein Jahr aktiv halten und verlängern – nicht auslaufen lassen.
  • E-Mail-Adressen, Signaturen, Rechnungsvorlagen, Werbekonten, Social-Media-Profile und Geschäftseinträge auf die neue Adresse umstellen.
  • Wichtigste externe Verweisgeber anschreiben und um Aktualisierung bitten.

Wer prüft was: die Rollenverteilung

Checklisten scheitern an fehlender Zuständigkeit, nicht an fehlenden Punkten. Diese Aufteilung hat sich bewährt:

BereichVerantwortlichPrüft mit
URL-Inventar, Kennzahlen, BackupsAuftraggeberAgentur liefert Exporte
Zuordnung alte → neue SeiteAuftraggeber (Fachbereich)Agentur setzt technisch um
Technische Umsetzung der WeiterleitungenAgenturAuftraggeber prüft Stichprobe
Indexierbarkeit am Go-live-TagAgenturAuftraggeber gegenprüft manuell
Inhalte, Freigaben, RechtstexteAuftraggeberAgentur weist auf Lücken hin
BarrierefreiheitAgenturexterne Prüfung empfohlen
Monitoring vier Wochengemeinsamfester wöchentlicher Termin

Der wichtigste Eintrag ist die zweite Zeile: Die Zuordnung, welche neue Seite eine alte inhaltlich ersetzt, ist eine fachliche Entscheidung. Sie an die Entwicklung zu delegieren, ist der Ursprung der meisten Sammel-Weiterleitungen auf die Startseite.

Wenn der Traffic trotzdem einbricht

Ein Rückgang von zehn bis zwanzig Prozent über zwei bis vier Wochen ist normal, während Suchmaschinen die neue Struktur erfassen. Bleibt der Einbruch länger oder ist er größer, prüfen Sie in dieser Reihenfolge:

  1. Ist die Seite indexierbar? Sperre in der robots-Datei, Meta-Angabe „noindex", Zugangsschutz – die drei häufigsten Ursachen für einen Totalausfall.
  2. Greifen die Weiterleitungen? Alte URLs mit den höchsten Zugriffszahlen einzeln aufrufen und Statuscode prüfen.
  3. Sind Inhalte verschwunden? Vergleichen Sie den Textumfang der wichtigsten Seiten mit dem alten Stand. Gekürzte Seiten verlieren Relevanz.
  4. Zeigen kanonische Adressen ins Leere? Ein Verweis auf die alte Domain oder die Testumgebung entwertet die neue Seite.
  5. Ist die Seite langsam geworden? Ein neues Design mit unkomprimierten Bildern kann Ladezeiten verdreifachen.

Erst wenn diese fünf Punkte sauber sind, lohnt sich die Suche nach komplexeren Ursachen. In der Praxis erklärt einer der fünf den Einbruch in den allermeisten Fällen.

Kurz gefasst

Sichern Sie vor dem Start die Ausgangslage – URL-Liste, Zugriffszahlen, Rankings, Backups, Zugänge. Entscheiden Sie im Konzept für jede alte Seite, was aus ihr wird, und leiten Sie daraus das Redirect-Konzept ab. Am Go-live-Tag sind die Sperre für Suchmaschinen und eine Stichprobe der Weiterleitungen die beiden Punkte, die über Erfolg oder Einbruch entscheiden. Und die vier Wochen danach gehören zum Projekt: Wer täglich 404-Fehler schließt, verliert praktisch nichts.

Häufige Fragen

Wie viele Punkte muss eine Relaunch-Checkliste haben?

Die Zahl ist nachrangig – entscheidend ist, dass jeder Punkt eine namentlich verantwortliche Person und einen Zeitpunkt hat. Eine Liste mit zwanzig zugewiesenen Punkten wirkt besser als eine mit hundert unzugewiesenen. Nutzen Sie die Gliederung oben als Rahmen und streichen Sie, was auf Ihr Projekt nicht zutrifft.

Wer ist für die Checkliste zuständig – wir oder die Agentur?

Geteilt. Die technischen Punkte gehören zur Agentur, die inhaltlichen Entscheidungen zu Ihnen: Welche neue Seite ersetzt welche alte, welche Inhalte entfallen, welche Kennzahlen gelten als Erfolg. Lassen Sie die Liste in der Angebotsphase durchgehen – die Antworten zeigen schnell, wie oft eine Agentur Relaunches wirklich begleitet hat.

Reicht es, die alte robots-Datei zu übernehmen?

Nein, und es ist gefährlich. Alte Dateien enthalten oft Sperren für Verzeichnisse, die es im neuen System gar nicht mehr gibt, oder – im schlimmsten Fall – eine vollständige Sperre aus der Entwicklungsphase. Schreiben Sie die Datei neu und prüfen Sie sie am Go-live-Tag manuell.

Müssen wirklich alle alten URLs weitergeleitet werden?

Alle, die Zugriffe haben oder von außen verlinkt sind – und das sind erfahrungsgemäß mehr, als man vermutet. Für URLs ohne jeden Zugriff und ohne externe Verweise ist ein sauberer 404 vertretbar und besser als eine unpassende Weiterleitung. Die Entscheidung trifft man anhand der Daten aus Phase 1, nicht nach Gefühl.

Wie lange müssen Weiterleitungen aktiv bleiben?

Google empfiehlt, permanente Weiterleitungen so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr. Praktisch heißt das: Schalten Sie die alte Umgebung nicht ab, bevor die Redirect-Ebene an anderer Stelle dauerhaft läuft – und nehmen Sie das in den Vertrag auf, wenn Hosting oder Betrieb wechseln.

Was ist mit Seiten, die im Relaunch zusammengeführt werden?

Beide alten URLs werden auf die neue, zusammengeführte Seite weitergeleitet. Wichtig ist, dass die neue Seite die Inhalte beider Vorgänger tatsächlich abdeckt. Eine Zusammenführung, die faktisch eine Kürzung ist, verliert die Relevanz beider Ausgangsseiten.

Sollte man vor dem Go-live einen Testlauf machen?

Ja. Lassen Sie die Weiterleitungsregeln auf der Testumgebung gegen die vollständige alte URL-Liste laufen und prüfen Sie automatisiert, ob jede alte Adresse mit Status 301 auf einer erreichbaren Seite landet. Dieser Test dauert eine Stunde und findet zuverlässig genau die Fehler, die sonst wochenlang unbemerkt bleiben.

Weiterführende Ratgeber

Anbieter mit Relaunch-Erfahrung finden Sie unter Webentwicklung.

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