Zum IT-Fachkräftemangel kursieren Statistiken, die sich zu widersprechen scheinen: mal fehlen 149.000 Fachkräfte, mal 96.000, mal ist von Entspannung die Rede. Beides kann stimmen – die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren und aus unterschiedlichen Erhebungsmethoden. Diese Seite stellt die belegten Zahlen für Deutschland, Österreich und die EU zusammen, benennt jeweils Quelle, Stichtag und Methodik und ordnet ein, was daraus für ein konkretes Softwarevorhaben folgt.
Alle Angaben stammen aus den unten verlinkten Primärquellen. Wo eine Zahl eine Schätzung ist, steht das dabei.
IT-Fachkräftemangel in Deutschland: die Zahlen
Die meistzitierte Erhebung stammt vom Digitalverband Bitkom. Für das Jahr 2025 nennt sie folgende Werte:
| Kennzahl | Wert | Erhebung |
|---|---|---|
| Unbesetzte IT-Stellen in Deutschland | rund 109.000 | Bitkom Research, veröffentlicht 07.08.2025 |
| Durchschnittliche Zeit bis zur Besetzung | 7,7 Monate | unverändert gegenüber zwei Jahre zuvor |
| Unternehmen mit Fachkräftemangel im IT-Bereich | 85 % | nur 4 % melden ein Überangebot |
| Erwarten eine Verschärfung | 79 % | 4 % erwarten Besserung |
| Nennen unpassende Gehaltsvorstellungen als Hürde | 63 % | bezogen auf die Qualifikation der Bewerbenden |
| Anteil Quereinsteigender unter den Neueinstellungen | 27 % | ohne formale IT-Qualifikation |
Methodik: repräsentative telefonische Befragung von 855 Unternehmen aller Branchen, Erhebungszeitraum Kalenderwochen 20 bis 27 des Jahres 2025.
Der Verlauf: warum „Entspannung" irreführend ist
Im Zeitvergleich ist die Lücke zurückgegangen: von 137.000 offenen Stellen im Jahr 2022 auf den Höchstwert von 149.000 im Jahr 2023 und auf rund 109.000 im Jahr 2025. Das klingt nach Entspannung, ist aber vor allem eine Folge zurückhaltender Neueinstellungen in einer schwächeren Konjunktur – nicht eines gewachsenen Angebots an Fachkräften.
Der aussagekräftigere Wert ist deshalb die Vakanzzeit von 7,7 Monaten. Sie ist über zwei Jahre unverändert geblieben, obwohl die Zahl der offenen Stellen deutlich gesunken ist. Wenn weniger Stellen ausgeschrieben werden und die Besetzung trotzdem gleich lange dauert, hat sich die Verfügbarkeit passender Personen nicht verbessert. Für die Planung eines Vorhabens ist genau das die relevante Größe – nicht die Gesamtzahl.
IT-Fachkräftemangel in Österreich
Für Österreich ist die Datenlage dünner, weil ein großer Teil der Vakanzen gar nicht erfasst wird. Das zuständige Ministerium weist die AMS-Daten zu IT-Berufen aus und ordnet sie ein:
- Die AMS-Berufsliste IT umfasst 153 Berufe auf der feinsten Ebene der Berufssystematik.
- Die Statistik Austria schätzt, dass nur rund 25 Prozent der offenen Stellen im Wirtschaftszweig „Information und Kommunikation" überhaupt dem AMS gemeldet werden.
- Die dem AMS gemeldeten IT-Stellen machen etwa 2 bis 3 Prozent aller offenen AMS-Stellen aus.
- Über alle Quellen hinweg wird von rund 20.000 offenen IT-Stellen pro Monat in Österreich ausgegangen – eine Schätzung, keine Vollerhebung.
Die niedrige Meldequote ist der wichtigste Hinweis beim Umgang mit österreichischen Zahlen: Jede Statistik, die allein auf AMS-Meldungen beruht, unterzeichnet den tatsächlichen Bedarf deutlich. Umgekehrt sind Hochrechnungen daraus mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet.
Die europäische Einordnung
Eurostat erhebt den Anteil der IKT-Fachkräfte an der Beschäftigung. Für 2025 ergibt sich folgendes Bild:
| Kennzahl | Wert (2025) |
|---|---|
| IKT-Fachkräfte in der EU insgesamt | über 10 Millionen |
| Anteil an der Gesamtbeschäftigung (EU) | 5,0 % |
| Deutschland | 2,3 Millionen – 22,2 % aller IKT-Fachkräfte der EU |
| Spitzenreiter nach Anteil | Schweden 8,9 %, Luxemburg 8,7 %, Finnland 7,8 % |
| Frauenanteil | 19,5 % |
| Anteil mit tertiärem Bildungsabschluss | 68,8 % (2015: rund 60 %) |
| EU-Ziel bis 2030 | 20 Millionen IKT-Fachkräfte |
Zwei Beobachtungen sind für die Beschaffung relevant. Erstens zeigt der Abstand zwischen dem EU-Ziel von 20 Millionen bis 2030 und dem heutigen Stand von gut 10 Millionen, dass sich die Knappheit strukturell nicht kurzfristig auflöst. Zweitens sind die Anteile in den nordischen Ländern deutlich höher als in Deutschland und Österreich – Nearshoring innerhalb der EU trifft also auf Märkte mit unterschiedlicher Fachkräftedichte, nicht auf ein einheitliches Angebot.
Was der Mangel für Gehälter und Stundensätze bedeutet
Knappheit wirkt auf zwei Preise gleichzeitig: auf Gehälter im eigenen Haus und auf externe Stundensätze. Beide sind miteinander gekoppelt, weil dieselben Personen zwischen Anstellung und Selbstständigkeit wechseln können.
Bemerkenswert ist ein Detail der Bitkom-Erhebung: 63 Prozent der Unternehmen geben an, die Gehaltsvorstellungen der Bewerbenden passten nicht zu deren Qualifikation. Diese Aussage ist eine Wahrnehmung der Arbeitgeberseite, kein objektiver Befund – aber sie beschreibt zutreffend einen Markt, in dem die Preisbildung nicht mehr allein vom Arbeitgeber ausgeht. Für die Beschaffung heißt das dreierlei:
- Rechnen Sie nicht mit sinkenden Sätzen. In einem knappen Markt entsteht kein Preisdruck nach unten, auch wenn die Zahl offener Stellen zurückgeht. Wer Budgets auf Basis von Sätzen aus dem Vorjahr plant, plant zu niedrig.
- Verfügbarkeit hat einen Preis. Ein Team, das sofort starten kann, ist entweder gerade frei geworden oder nicht das Team, das im Angebot stand. Beides ist eine Nachfrage wert.
- Bindung senkt den Satz. Längere Zusagen bringen üblicherweise fünf bis fünfzehn Prozent Nachlass – gegen den Preis geringerer Flexibilität.
Marktdaten zu den Sätzen selbst erhebt freelancermap jährlich für das IT-Freelancing; unsere Einordnung für Agenturen im deutschsprachigen Raum steht unter Stundensätze für Softwareentwicklung.
Wie man diese Zahlen liest – und wie nicht
Beim Vergleich von Statistiken zum IT-Fachkräftemangel gehen drei Dinge regelmäßig durcheinander:
- Unterschiedliche Grundgesamtheiten. Manche Erhebungen zählen nur IT-Unternehmen, andere IT-Stellen in allen Branchen. Weil ein erheblicher Teil der IT-Beschäftigung außerhalb der IT-Branche stattfindet, unterscheiden sich die Ergebnisse erheblich.
- Befragung gegen Meldung. Hochrechnungen aus Unternehmensbefragungen und behördlich gemeldete Vakanzen messen nicht dasselbe. Wo die Meldequote bei rund einem Viertel liegt, ist die gemeldete Zahl kein Marktbild.
- Stichtag. IT-Arbeitsmarktzahlen schwanken konjunkturell stark. Eine Zahl ohne Jahresangabe ist wertlos – prüfen Sie bei jeder zitierten Statistik Erhebungsjahr und Veröffentlichungsdatum.
Aus demselben Grund vergleichen wir die deutschen und österreichischen Werte hier bewusst nicht direkt miteinander: Sie beruhen auf unterschiedlichen Methoden und wären nebeneinandergestellt irreführend.
Was die Zahlen für Ihr Vorhaben bedeuten
Drei praktische Konsequenzen lassen sich aus der Datenlage ableiten:
1. Einstellen ist keine Antwort auf einen kurzfristigen Bedarf. Bei 7,7 Monaten bis zur Besetzung plus Einarbeitung vergeht rund ein Jahr, bis eine neu eingestellte Person voll produktiv ist. Für ein Vorhaben, das in drei Monaten starten soll, ist das keine Option – unabhängig vom Budget.
2. Verfügbarkeit ist ein Auswahlkriterium. Wenn 85 Prozent der Unternehmen einen Mangel melden, sind auch Agenturen ausgelastet. Rechnen Sie damit, dass ein Teil der angefragten Anbieter absagt, und bauen Sie Ihre Longlist entsprechend breiter auf (siehe Von der Longlist zur Shortlist).
3. Technologiewahl ist auch eine Personalfrage. Eine Nischentechnologie verschärft die ohnehin angespannte Lage: Sie finden weder eigene Leute noch leicht einen zweiten Dienstleister. Das ist ein handfestes Argument für verbreitete Technologien – siehe Den richtigen Technologie-Stack wählen.
Welche Beschaffungswege in Frage kommen und was sie kosten, behandeln die Ratgeber Entwickler mieten und Softwareentwicklung Outsourcing.
Kurz gefasst
In Deutschland waren 2025 rund 109.000 IT-Stellen unbesetzt, die durchschnittliche Besetzungsdauer lag bei 7,7 Monaten und 85 Prozent der Unternehmen meldeten einen Mangel. Der Rückgang gegenüber dem Höchstwert von 149.000 im Jahr 2023 ist überwiegend konjunkturell und keine Entspannung auf der Angebotsseite – die unveränderte Vakanzzeit belegt das. Für Österreich existiert keine Vollerhebung; brauchbar ist die Schätzung von rund 20.000 offenen Stellen monatlich bei einer Meldequote von etwa einem Viertel. EU-weit arbeiten gut 10 Millionen Menschen als IKT-Fachkräfte, das Ziel für 2030 liegt bei 20 Millionen.
Häufige Fragen
Wie viele IT-Fachkräfte fehlen aktuell in Deutschland?
Rund 109.000 unbesetzte Stellen, erhoben vom Bitkom für 2025 auf Basis einer repräsentativen Befragung von 855 Unternehmen aller Branchen. Zum Vergleich: 2022 waren es 137.000, 2023 mit 149.000 der bislang höchste gemessene Wert.
Entspannt sich der IT-Fachkräftemangel?
Die Zahl offener Stellen ist gesunken, die durchschnittliche Besetzungsdauer mit 7,7 Monaten aber unverändert – und 79 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verschärfung. Der Rückgang spiegelt vor allem zurückhaltende Neueinstellungen, nicht ein besseres Angebot an Fachkräften.
Wie lange dauert es, eine IT-Stelle zu besetzen?
Im Durchschnitt 7,7 Monate. Rechnen Sie zusätzlich mit drei bis sechs Monaten Einarbeitung in ein bestehendes System. Für kurzfristigen Bedarf bleiben deshalb nur externe Wege – Agentur, Freelancer oder ein dediziertes Team.
Wie viele offene IT-Stellen gibt es in Österreich?
Eine belastbare Vollerhebung existiert nicht. Über verschiedene Quellen hinweg wird von rund 20.000 offenen IT-Stellen pro Monat ausgegangen. Wichtig für die Einordnung: Die Statistik Austria schätzt, dass nur etwa 25 Prozent der offenen Stellen des Wirtschaftszweigs „Information und Kommunikation" dem AMS gemeldet werden – reine AMS-Zahlen unterzeichnen den Bedarf also deutlich.
Welche IT-Qualifikationen sind besonders gefragt?
Übergreifend Softwareentwicklung, Systemarchitektur, IT-Sicherheit, Datenmanagement und Cloud-Themen. Bemerkenswert ist ein Nebenbefund der Bitkom-Erhebung: 27 Prozent der IT-Neueinstellungen entfielen auf Quereinsteigende ohne formale IT-Qualifikation – ein Hinweis darauf, wie eng der Markt für klassisch ausgebildete Fachkräfte ist.
Warum widersprechen sich verschiedene Statistiken?
Weil sie unterschiedliche Dinge messen: nur die IT-Branche oder alle Branchen, gemeldete Vakanzen oder hochgerechnete Befragungen, verschiedene Erhebungsjahre. Prüfen Sie bei jeder Zahl Quelle, Stichtag und Methodik. Zahlen ohne diese Angaben sollten Sie nicht weiterverwenden.
Was bedeutet der Fachkräftemangel für die Beauftragung einer Agentur?
Gute Teams sind ausgelastet und sagen Anfragen ab – planen Sie Vorlaufzeit ein und fragen Sie mehr Anbieter an, als Sie Angebote brauchen. Kurzfristige Verfügbarkeit ist kein Vorteil, sondern eine Frage wert. Und rechnen Sie mit stabilen bis steigenden Stundensätzen: In einem knappen Markt entsteht kein Preisdruck nach unten.
Weiterführende Ratgeber
- Entwickler mieten – Kapazität aufstocken, wenn Einstellen zu lange dauert
- Softwareentwicklung Outsourcing – ganze Bereiche auslagern
- Agentur, Freelancer oder Inhouse-Team? – die drei Modelle im Kostenvergleich
- Nearshore, Offshore oder lokale Agentur? – andere Arbeitsmärkte nutzen
- Den richtigen Technologie-Stack wählen – Verfügbarkeit als Auswahlkriterium
- Stundensätze für Softwareentwicklung – was Knappheit für den Preis bedeutet
Anbieter im Verzeichnis: Softwareentwicklung, alle Standorte. Wie wir recherchieren und Quellen prüfen, steht unter So arbeiten wir.
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Quellen
- In Deutschland fehlen rund 109.000 IT-Fachkräfte – Vakanzzeit 7,7 Monate (Bitkom, August 2025) — Bitkom
- IT-Berufe am österreichischen Arbeitsmarkt – AMS-Daten, Meldeabdeckung, Schätzung offener Stellen — Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (Österreich)
- ICT specialists in employment – EU-Anteil, Ländervergleich, Ziel von 20 Mio. IKT-Fachkräften bis 2030 — Eurostat
- Freelancer-Kompass – Marktstudie zu Stundensätzen im IT-Freelancing — freelancermap
- Werkvertrag (arbeitsrechtlich) – Abgrenzung in Österreich — Wirtschaftskammer Österreich
Redaktion
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